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Mit Theater | Konzert | Video

Egozentrismus, eine Krankheit?

Eine Inszenierung ermöglich durch:

Franziska Hoby, Manuel Gmür, Stéphane Fratini, Tom Senn, Sebastian Fuenzalida, Raphael Schneider, Iris Betschart und Alice Bucher

EGON lebt in seiner Wohnung zurück, und beschäftigt sich mit Sinnlosigkeiten. Sich selbst in Szenen Setzend, seine Fantasie und seinen Egozentrismus pflegend, verliert er den Bezug zur Realität. Er rutsch ab in eine imaginäre Welt - die schliesslich in einer rauminstallation endet.

 

Das Groteske als Erzählprinzip: Die Aufführung steht in der Tradition des absurden

Theaters. Sie bezieht sie sich auf das Theater der Träume und Fantasien. Die existentielle

Leere, die metaphysische Angst und der Mythos des Todes werden niedergeschrieben. In

der Installation als geschlossener Kreis, inszeniert der Schauspieler eine postapokalyptische Clownerie.

Ein Groteskes Spiel Zwischen Realität, Fantasie und Irsinn

Spiel: Stéphane Fratini

Musiker: Leon Schaetti, Dejan Pecar und Patrick Ruegg

Video: Sebastian Fuenzalida

Ton: Pierre Bendel

Fotos von Michel Canonica

Tagblatt, 16. Mai 2014

Ego-Tanz mit dem Stuhl

Egon Compagnie Buffpapier

 

«Ich habe nicht viele Freunde»: Egon (gespielt von Stéphane Fratini) verbringt seine Tage und Nächte allein in der Wohnung und übt sich zum Beispiel in Mobiliar-Akrobatik. (Bild: Michel Canonica)

Was tun, wenn man auf sich selbst zurückgeworfen wird? Das Stück «Egon» der Compagnie Buffpapier liefert skurrile und beklemmende Antworten. Doch bei aller Tragik geht der Witz zwischendurch nicht vergessen.

 

ROGER BERHALTER

 

 

Faszinierend, was man alles mit einem Stuhl anstellen kann, wenn der Tag lang ist. Und die Tage von Egon sind lang, sehr lang. Also übt er sich in Mobiliar-Akrobatik oder kreist mit dem Dreirad durch den Raum, während zwei Kameras sein Auge und seinen Mund filmen.

Das Pyjama bleibt an

 

Ja, es geht skurril und egozentrisch zu und her in «Egon», dem neuen Stück der Compagnie Buffpapier, das diese Woche in der Grabenhalle zu sehen ist. Das wird schon in der ersten Szene klar, als Egon den Raum durch den Kühlschrank betritt. Die Zuschauer müssen mit ansehen, wie Egon (eindringlich gespielt von Stéphane Fratini) langsam den Verstand verliert.

 

Ganz alleine – der Name Ego(n) ist nicht zufällig gewählt – verbringt er seine Tage und Nächte in der Wohnung. Manchmal klopft der Postbote an die Tür und hinterlässt ein Päckchen. Manchmal versucht Egon auch, die Wohnung zu verlassen. Doch die Pyjamahose behält er stets an, und hinaus schafft er es nicht. Mal bläst ihm ein (imaginärer) Windstoss ins Gesicht, mal wird er (in seiner Vorstellung) angeschossen. Immer landet er wieder bei sich selbst, wird in seiner weissen Wohnung auf sich selbst zurückgeworfen.

 

Raffinierte Überblendungen

 

An ein Smartphone kann Egon sich nicht klammern, und das Fernsehen ist ihm längst verleidet. Stattdessen flüchtet er sich in Selbstgespräche («Wie goht's? Momoll.») und entführt die Zuschauer immer tiefer in seine beklemmende Phantasie.

 

Die Compagnie Buffpapier bietet dabei so viel Technik auf wie noch nie. Drei Musiker begleiten das Stück, das mit seinen zahlreichen, auf Französisch gesungenen Liedern auch als Konzert durchgeht. Die psychedelischen, hypnotischen, windschiefen Klänge bringen Egons wirren Geist treffend zum Ausdruck.

 

Der Basler Künstler Tom Senn steuert zudem Videoprojektionen bei, die zu raffinierten Überblendungen führen. So boxt Egon in einer perfekten Choreographie mit einer Projektion von sich selbst oder kämpft mit dem an die Wand geworfenen Doppelgänger um denselben Stuhl.

 

Mit vollem Körpereinsatz

 

So verloren Egon wirkt: Mitten im Stück bekommt er ein Ziel vor Augen, das er mit aller Kraft und vollem Körpereinsatz zu erreichen sucht. Das ist tragisch, aber auch zum Schmunzeln. «Der Witz zwischendurch ist wichtig», wird Franziska Hoby von der Compagnie Buffpapier nach der Aufführung sagen.

 

Dennoch gewinnt die Traurigkeit Oberhand. Spätestens als Egon mit schiefer Krone, schlaffem Muskelanzug, müden Augen und zerzaustem Haar auf seinem selbstgewählten Thron sitzt und erkennt: «Ich bin ein König, alleine im Dunkeln. Ich bin ein König ohne Volk, ohne Gesetz.»